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Das Klavier spielen begann ich im Alter von 4 Jahre und dank meines Großonkels George, einem brillanten Jazzpianisten, entdeckte ich schnell die Art von Musik, die mit später all meine Rechnungen bezahlen sollte: den unterhaltsamen und pumpenden Rhythmus Fats Wallers und anderen Klaviergrößen des Harlem Stride Styles.

Es war nicht nur die Musik, die es mir antat – es war vor allem die Art und Weise, wie Fats ein furchtbares Stück in eine Art „Entertainment“ umdrehen konnte. Meine Bedürfnis zu „entertainen“ war geboren. Leute zum Lachen zu bringen – Ihnen etwas geben, was sie erfreut. Mein Ziel ist es immer, dass sich ein jeder im Raum wohl fühlt und seine Sorgen für ein paar Stunden vergisst. Manchmal ist das sogar wichtiger als die Musik selber.

Für einige Jahre sang ich im Kathedralchor von Inverness und erlernt dort das Orgel spielen. Zu Hause hatten wir eine dieser elektronischen Yamaha Orgeln, die damals jeder haben wollte – ich habe sogar immer noch Arragements für elektronische Orgeln. Dass eine Kirchenorgel mir genau diese Art des Musizierens bot, interessierte mich sehr.

Prinzipiell ist eine Kirchenorgel ja nur eine Maschine sich bewegender Elemente, die in den Händen eines ordentlichen Spielers, einen Menge musikalischen Krach machen kann, der wiederum gelegentlich ganz gut klingen kann. Ein Organist kann mit diesen zahlreichen Stops (Reihen und Pfeilen) tatsächlich ein ganzes Orchestra erschaffen, indem er Instrumente wie Flöten, Geigen, Oboen und Trompeten nachahmt. Ein Organist ist eine Art Dirigent und Arrangeur und für all diese unterschiedlichen Instrumente und Soundkombinationen verantwortlich.

Ich übertrug die Jazzmusik vom Klavier auf die Orgel und fand es eigentlich ganz einfach, den Fats Waller Style zu rekonstruieren. Am Klavier spielt die linke Hand die „oom-pahs“-Bassläufe während die rechte Hand die Melodieführung on top übernimmt. An der Orgel spielt der linke Fuß die „oom“ und die linke Hand die „pahs“. Die Melodieführung gehört der rechten Hand – und der rechte Fuß? Was macht der? Die meisten Orgeln haben eine Schwellerdivision, die per Pedal geöffnet und geschlossen wird und mit der man dynamische Effekte kreieren kann – mit der Bedienung das Pedals hat auch der rechte Fuß was zu tun.

Ich begann Orgelmusik in diesem Style zu arrangieren. Mein linker Fuß wurde unabhängig und konnte nun die Pedalschlüssel hoch und runter laufen – voilà – ein Kontrabass-Effekt. Ich konnte Big Band Musik für die Orgel arrangieren! Die linke Hand spielt die Rhythmus Gitarre und die rechte Hand wurde zum Saxophon-, Trompeten- und Posaunen Register, indem sie unterschiedliche Manuale mit verschiedenen Sounds benutzte. Je größer die Orgel, desto mehr Möglichkeiten hatte ich.

Ich entdeckte etwas lang vergessenes – die Kinoorgel. Dieses enorme Instrument unterscheidet sich signifikant von Kirchenorgeln – sie wurden einst gebaut, um ein Orchester bei der musikalischen Untermalung von Stummfilmen zu ersetzen. Dieses Instrument ist wesentlich orchestraler und technischer als ihre verängstigte Cousine. Die Kinoorgeln enthalten ebenfalls spezielle Effekte und Percussion Instrumente. Alles pneumatisch über den Spieltisch kontrolliert, kann man sowohl ein Xylophone, eine Bass drum oder ein Becken, ein Glockenspiel oder ein Marimbaphone, ja sogar ein Klavier imitieren.

Nun waren die Möglichkeiten endlos. Das Problem lag nur darin, Zugang zum Proben für ein solches Instrument zu finden. Die Kinoorgeln war nämlich nach dem Krieg größtenteils aus den Kinos und Theatern verschwunden – nachdem das Kino dem TV Platz gemacht hatte. Einige wenige blieben in ihren alten 4 Wänden, aber die meisten wurden entweder abgebaut oder zerstört. Die wenigen noch übrig gebliebenen sind mittlerweile in Privathäusern, Vereinen, Schulen oder Konzerthallen installiert. Orte mit beschränktem Zugang!

Somit ging es wieder zurück in die Kirchen! Ich spezialisierte mein Repertoire. Mit Gospels und Spirituals als Basis und durch die Hinzunahme von einigen Klassikern aus den frühen Tagen des Jazz konnte ich die  Arrangement Möglichkeiten der Orgel herausstellen.

Diese Art von Musik übte ich! Und zwar spät in der Nacht in der Kathedrale von Inverness, was mir regelmäßig Ärger von Priestern und Kollegen einbracht – ich solle aufhören, so einen Mist zu spielen. Heutzutage – und Jahre später über dem Kanal hinweg in Deutschland – erfahre ich genau das Gegenteil: Besucher in Kirchen, in denen ich gerade übe sind immer erstaunt, dass es eine Orgel mit solch einer Musik aufnehmen kann. Konzertgänger finden, dass der Gang zur Kirche und das Hören eines Orgelkonzerts sogar richtig Spaß machen kann!

Landau KonzertIch möchte den Zuhörern aber auch die technische Seite des Instruments vorstellen. Viele Besucher wissen gar nicht, wie eine Orgel funktioniert. Und für sie ist es ein großer Spaß, all die verschiedenen Teile der Orgel zu sehen und zu verstehen, wie das ganze Ding zusammenpasst – vom Gebläse bis zur Pfeife.

In Kirchen, wo der Orgelspieltisch den Zuhörern nicht sichtbar ist, habe ich gerne einen Projektor und eine Leinwand aufgebaut, so dass das Publikum sehen kann, was am Spieltisch passiert. Das wiederum macht die Orgel erreichbar für alle.

So – daher kommt meine Vision für Musik – Musik und Unterhaltung. Ich bin mir sicher, dass die staubige, keuchende Maschine in der kalten, zugigen Kirche Leute richtig gut unterhalten kann!!